Von Vietnam bis Karpaten: Bedrohte Tierarten kehren zurück
Zoologische Gärten als Partner in globalen Wiederansiedlungsprojekten
Berlin, 20. Mai 2026 – Nicht nur am Internationalen Tag der biologischen Vielfalt, der jährlich am 22. Mai stattfindet, zeigen die modernen Zoos im Verband der Zoologischen Gärten (VdZ), wie Artenschutz heute funktioniert: durch ein internationales Netzwerk aus zoologischen Einrichtungen, mit Regierungsunterstützung, Naturschutzorganisationen und Partnern in den Herkunftsregionen der bedrohten Tierarten.
Aktuelle Projekte verdeutlichen, dass Artenschutz über Ländergrenzen und teilweise Kontinente hinweg organisiert ist – von europäischen Wiederansiedlungen bis zu globalen Projekten. Grundlage dafür sind die Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP), über die die Zucht bedrohter Tierarten koordiniert und genetisch geeignete Individuen für Wiederansiedlungen auswählt werden. Möglich wird dies nicht zuletzt durch den politischen Willen auf nationaler und internationaler Ebene: Regierungen schaffen die rechtlichen Rahmenbedingungen, finanzieren Programme wie das EU-LIFE-Programm und ermöglichen grenzüberschreitende Kooperationen, ohne die viele dieser Projekte nicht realisierbar wären.
„Ein Fasan fliegt zurück nach Vietnam, ein Bongo kehrt in den Mount Kenya National Park zurück, ein Elch zieht in die Karpaten. Das ist kein Zufall – das ist das Ergebnis langer, geduldiger Arbeit in einem globalen Netzwerk aus Zoos, Wissenschaft, lokalen Partnern und Politik", erklärt Volker Homes, VdZ-Geschäftsführer. „Dabei arbeiten wir nach den verbindlichen Leitlinien der Weltnaturschutzunion IUCN – denn nur wer nach höchsten Standards arbeitet, kann dieser Aufgabe gerecht werden."
Hier einige aktuelle Beispiele:
ASIEN Der Vietnamesische Fasan kehrt zurück
Vietnamesischer Fasan (Lophura edwardsi)
Eine Tierart, die als in der Natur ausgestorben gilt, kehrt jetzt in ihr Heimatland zurück: 2026 wurden in europäischen Zoos gezüchtete Fasane nach Vietnam überführt – ein Meilenstein für den internationalen Artenschutz.
Warum das wichtig ist Jahrzehntelange Jagd und massiver Lebensraumverlust – verschärft durch die Folgewirkungen des Vietnamkriegs – haben die wildlebende Population weitgehend ausgelöscht.
Rolle der modernen Zoos Zoologische Gärten sichern seit Jahrzehnten eine Reservepopulation in koordinierten Erhaltungszuchtprogrammen. Sie übernehmen genetisches Management, bereiten Tiere logistisch und veterinärmedizinisch auf ihre Reise vor und unterstützen internationale Projekte für Schutzmaßnahmen.
Partner vor Ort Das Viet Nature Conservation Centre mit seinem Rare Pheasant Breeding Center verbindet Zucht, Forschung und Umweltbildung und arbeitet eng mit lokalen Gemeinschaften zusammen, um geeignete Bedingungen für die Rückkehr der Art zu schaffen. Die vietnamesische Regierung stellt dafür Schutzgebiete bereit und schafft – ebenso wie die deutsche Regierung – die rechtlichen Voraussetzungen für die Überführung der Tiere. |
AFRIKA Der Bergbongo: Zoos arbeiten an der Rückkehr der attraktiven Antilopenart in den Mount Kenya National Park
Bergbongo (Tragelaphus eurycerus isaaci) IUCN: Critically Endangered (vom Aussterben bedroht) | Verbreitung: Kenia | Hauptbedrohung: Jagd, Lebensraumverlust, Krankheiten
Nur noch wenige Tiere leben in fragmentierten Waldgebieten in Kenia. Im Mount Kenya National Park, einem ihrer ursprünglichen Lebensräume, gibt es jedoch keine wildlebenden Bongos mehr. Vier männliche Bongos aus europäischen Zoos wurden in die angrenzende Mount Kenya Wildlife Conservancy überführt – mit dem Ziel einer späteren Wiederansiedlung im Nationalpark.
Warum das wichtig ist Jagd, illegale Abholzung und von Hausrindern übertragene Krankheiten haben den Bergbongo an den Rand des Aussterbens gebracht. Die verbliebenen Wildpopulationen sind klein und stark fragmentiert.
Rolle der modernen Zoos Die Tiere wurden aus verschiedenen Zoos ausgewählt. Vier Bullen verstärken nun die gemanagte Population der Mount Kenya Wildlife Conservancy und bilden die Grundlage für künftige Wiederansiedlungen.
Partner vor Ort Das Projekt wird gemeinsam mit dem Kenya Wildlife Service und der Mount Kenya Wildlife Conservancy umgesetzt. |
EUROPA Rückkehr in die Karpaten – europäische Zoos senden Elche nach Rumänien
Elch (Alces alces)
Elche aus europäischen Zoos wurden im April 2026 in den rumänischen Naturpark Vânători-Neamț überführt – als Teil eines internationalen Wiederansiedlungsprojekts.
Warum das wichtig ist Der Elch ist in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas seit Jahrhunderten verschwunden. Rumänien bietet geeignete Lebensräume, doch für den Aufbau stabiler Populationen braucht es gezielte Unterstützung durch Wiederauswilderung und Bestandsstützung und internationale Zusammenarbeit.
Rolle der modernen Zoos Zoos stellen Tiere aus koordinierten Zuchtlinien bereit und bereiten sie auf die Reise vor. Die Tiere bilden die Grundlage für eine mögliche spätere Auswilderung.
Partner vor Ort Die Romanian Wilderness Society begleitet das Projekt im Naturpark Vânători-Neamț. Die rumänische Regierung hat den Naturpark als Wiederansiedlungsgebiet ausgewiesen. |
Einst in Europa ausgerottet – der Waldrapp findet seinen Weg zurück
Waldrapp (Geronticus eremita)
Die europäische Waldrapp-Population wächst weiter. Ziel der laufenden Wiederansiedlungsprojekte ist der Aufbau einer langfristig selbstständig überlebensfähigen Population.
Warum das wichtig ist Die auch als Delikatesse begehrten Vögel wurden gezielt gejagt, sodass die Waldrappe bereits Anfang des 17. Jahrhunderts aus Europa, und damit auch dem deutschsprachigen Raum, verschwunden waren. Mit dem Verschwinden der letzten Wildpopulation in Europa ging auch das Wissen über die Zugrouten verloren. Diese mussten im Rahmen der Wiederansiedlung neu aufgebaut werden.
Rolle der modernen Zoos Jungvögel aus zoologischen Einrichtungen werden auf ihre Migration vorbereitet und folgen menschlichen Bezugspersonen mithilfe von Ultraleichtflugzeugen in ihre Überwinterungsgebiete. Zoos stellen Tiere bereit und unterstützen langfristige Monitoring-Programme.
Partner vor Ort Das aktuelle EU-LIFE-Projekt wird unter Leitung des Tiergarten Schönbrunn und mit Beteiligung des Fördervereins Waldrappteam gemeinsam mit Partnern aus Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz umgesetzt. |